Noch etwas verschlafen, aber dennoch pünktlich, brach unser Männerchor am Morgen des 20. Juni mit dem Car Richtung Westen auf. Das Ziel unserer diesjährigen Reise war der Neuenburger Jura. Kurz vor Muttenz kam Leben in die Sängerschar. Nach einer Kaffeepause und zwei Männerchorliedern waren alle neugierig auf das Pantheon mit seinen vierrädrigen Schätzen. Die liebevoll gepflegten Exponate aus der gesamten Automobilgeschichte sind hier nicht nur attraktiv ausgestellt, sie sind allesamt auch funktionstüchtig und werden von ihren jeweiligen Besitzern regelmässig ausgefahren.
Nach der langen Carfahrt und einem vorzüglichen Mittagessen im Städtchen Delémont kam die bevorstehende kurze Wanderung wie gerufen. Bei schönstem Sommerwetter genossen wir die schattigen Wege durch die grünen Wälder und erfreuten uns an der weiten Sicht über die Jurahöhen. Und sozusagen als Krönung dieses gelungenen Nachmittages zauberte Peter, unser Reiseleiter, eine Flasche Appenzeller aus seinem Rucksack.
Nach einem kühlen Bier in Le Noirmont waren wir bereit für die letzte Busetappe nach Neuchâtel, wo wir am Abend direkt am Hafen unsere Hotelzimmer bezogen. Trotz, oder gerade wegen des warmen Sommerwetters schmeckte das Moitié-Moitié-Fondue in der Taverne hervorragend und so neigte sich ein schöner erster Reisetag langsam seinem Ende zu.
Am darauffolgenden Morgen fuhren wir mit unserem HSC Kreuzlingen-Bus ins Val-de-Travers. Fast am Ende des Tales, nahe der französischen Grenze, befinden sich die stillgelegten Asphaltminen, die heute als Museum besichtigt werden können. Mit viel Humor führte uns unser Guide durch die dunklen kühlen Stollen und erzählte mit charmantem französischem Akzent vom harten Arbeitsleben der früheren Mineure. In einem der Stollen, 500 Meter tief im Berg, zelebrierten wir dann unser «Tebje Pajom» und der von den Kalksteinwänden widerhallende Klang erinnerte fast ein wenig an die Akustik einer grossen Kathedrale. Der heisse Schinken, der gut verpackt im flüssigen Asphalt gegart wird, ist eine Spezialität des Museumsrestaurants. Er schmeckt zwar gut, aber nicht viel anders, als bei uns zu Hause auch.
Nach dem Mittagessen fuhren wir weiter. Das Strässchen wurde immer schmaler und steiler und wir Sänger immer stiller. Roger, unser Carchauffeur, meisterte den anspruchsvollen Weg mit Bravour und konnte sein Talent als versierter Fahrer unter Beweis stellen. Nicht einmal das sture Rindvieh, das unsere Route blockierte, konnte Roger aus der Ruhe bringen.
Oben angekommen, zogen sich aus allen Himmelsrichtungen dunkle Gewitterwolken zusammen. Nur gerade vier unerschrockene Sängerkameraden trotzten dem drohenden Unwetter und nahmen den Weg zur Krete des Creux du Van unter die Füsse. Die restlichen Vereinsmitglieder zogen sich in eine nahegelegene einfache Alpwirtschaft zurück und nutzten die Wartezeit sinnvoll für ein unverhofftes Bier und ein paar zünftige Männerchorlieder.
Als unsere Gruppe wieder vereint war, ging die Fahrt weiter nach Môtiers, ins Maison de l’Absinth. Nach einem kurzen Museumsrundgang wurden wir im Rahmen einer Degustation mit der mystischen «Grünen Fee» bekannt gemacht. Es wurde aber keiner unserer Sänger von ihrer betörenden Wirkung "geküsst". Nur der Alkohol entfaltete bei einigen von unseren Männern seine bekannte Wirkung.
Für das Abendessen fuhren wir in ein Berggasthaus und wurden dort von der Wirtin freudig empfangen. Nach einem Glas Weisswein präsentierte sie uns das kalte Buffet: Pasteten, Saucisson, Terrinen, Aufschnitt und Salate. Gefüllte Eier, Käseröschen, gekochter Schinken und Schwartenmagen. Regionale Spezialitäten, sehr appetitlich angerichtet und so reichlich, dass Natasa und neunzehn hungrige Sänger schliesslich doch nicht alles aufessen konnten. Gut gelaunt und mit vollen Bäuchen fuhren wir nachts nach Neuchâtel zurück, wo wir müde aber zufrieden in unsere weichen Betten fielen.
Als wir uns am Sonntagmorgen vor dem Hotel für eine Stadtführung zusammenfanden, lachte bereits wieder die Sonne vom blauen Himmel und spiegelte sich glitzernd im Neuenburgersee. Die Stadt zeigte sich im schönsten Licht und unser Guide entführte uns mit seinen aufschlussreichen Schilderungen in die grosse Zeit der Belle Epoque zwischen 1885 und 1914.
Auf der anschliessenden Heimfahrt machten wir Halt in Gaicht, wo wir im Restaurant Tanne die letzte Mahlzeit dieser unvergesslichen Reise genossen. Ein Zwischenstopp bei der Fortifikation Hauenstein führte uns vor Augen, mit welch einfachen Mitteln die Armeeführung während des ersten Weltkrieges einen gegnerischen Vorstoss in die Schweiz aufhalten wollte. Glücklicherweise mussten die primitiven Bollwerke keinem Ernstfall standhalten.
Schliesslich folgte das allerletzte traditionelle Bier und die Rückfahrt nach Wigoltingen, wo wir pünktlich um 19.30 Uhr ankamen.
Peter Kramer hat einmal mehr drei unvergessliche Reisetage für uns zusammengestellt: Ein bunter Strauss voller Kultur, Kulinarik, körperlicher Betätigung und Kameradschaft. Bis ins kleinste Detail war alles durchorganisiert und Natasa und die Sängerkameraden durften mitfahren und geniessen.
Herzlichen Dank lieber Peter!